Veranstaltung Mezzosopranistin Isabelle Kusari - Herder Bibliothek

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Dem Osten zugewandt....
Liederabend mit Mezzosopranistin Isabelle Kusar im April 2019                                                               

LOKALES SEITE 22 | FREITAG 26. April 2019
Reigen schöner Melodien
Herder-Bibliothek veranstaltete einen Volkslieder-Abend
Lip Weidenau. Ein Liederabend der besonderen Art war mit Mezzosopranistin Isabelle Kusari angekündigt. Wer nun erwartete, einen Zusammenhang zum Universalgelehrten und Wegbereiter der Aufklärung Johann Gottfried Herder, dem Namensgeber der einladenden Gesellschaft, zu erleben, wurde enttäuscht. Prof. Dr. Ulrich Penski erwähnte in seiner Begrüßung im Saal 3 der Bismarckhalle in Weidenau zwar dessen monumentale Volksliedersammlung „Die Stimmen der Völker“ (auf die sich u. a. auch die Brüder Grimm stützten), die Auswahl der Sängerin legte aber den Fokus auf Volkslieder aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten.
Die überwiegend ältere Zuhörerschaft war durchweg beglückt, Lieder ihrer Jugend und aus der ehemaligen Heimat zu hören. So folgten viele der Aufforderung der Sängerin, hier und da mitzusingen – manche recht text- und melodiesicher. Die mit großer, vibratoreicher Stimme (dadurch wurden manche Tonhöhen unsauber) singende Akteurin hatte das Auditorium mit Charme und Witz bald eingefangen. Überbordende Gefühlsausbrüche und pathetische Heraushebung alles Deutschen waren ihr ein Herzensanliegen.
Zu den einzelnen Liedern erfuhr man nur wenig. Sie stammten meistens aus (dem ehemaligen) Ostpreußen und Schlesien. Die Autorschaft Schuberts von „Das Heidenröslein“ wurde ebenso wie die von Mozarts Kunstlied „Komm, lieber Mai, und mache“ nicht erwähnt. „Ännchen von Tharau“, „Nun will der Lenz uns grüßen“, „Zogen einst fünf wilde Schwäne“, „An der Saale hellem Strande“ und das unbekanntere „Reiter, schmuck und fein“ boten einen abwechslungsreichen Reigen schöner Melodien. Das Schunkellied „Wo de Ostseewellen trecken an den Strand“ (hier waren es die Havelwellen) lud ebenso wie „Mein Vater war ein Wandersmann“ zum Mitsingen ein.
Die Begleitung am E-Piano (Jun Zhao) begnügte sich fast nur mit der Melodie und zwei (!) Harmonieakkorden. Mit Robert Schumanns „Träumerei“ und einem fingerflink gespielten Sonatensatz von Joseph Haydn gab der Pianist der Sängerin zwei kurze Pausen.
Der zweite Teil begann mit einem schlichten Kunstlied von Ewald Schäfer, der dem traurigen Text „Heimweh“ von Agnes Miegel (sie war eine glühende Anhängerin Hitlers!) ein spätromantisches Klanggewand gegeben hat. Von den weiteren zwölf Liedern seien erwähnt: „Es war im Böhmerwald“, „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“, „Es dunkelt schon in der Heide“ und ein Lied aus Bayern: „Wohlauf, die Luft geht frisch und rein“.
Die herrlichen Volkslieder wieder ins Gedächtnis zu rufen, ist Isabelle Kusaris Anliegen. Dafür dankte Prof. Penski den beiden Ausführenden nach dem zu Herzen gehenden, gemeinsamen Abschlussgesang „Kein schöner Land“.

Korrektur
Von sz am 30.April 2019
Nicht um die Havel-Wellen, sondern um „des Haffes Wellen“ ging es bei dem Liederabend der Herder-Bibliothek in Weidenau mit Isabelle Kusari. Laut Veranstalter wurde auf die Vollständigkeit von Angaben der Textdichter und Komponisten „schon aus Zeitgründen zugunsten des Gesanges verzichtet“. Dass sich die Auswahl der Lieder weitgehend auf die historischen deutschen Ostgebiete bezog, liege darin begründet, dass ein Satzungszweck der Herder-Bibliothek die Vermittlung von Kenntnissen über diese Gebiete sei, heißt es in einer Mitteilung an die SZ weiter.
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